Unternehmen / Konsum

Matthias In-Albon: Nach dem Sanierungskrimi in die Offensive

Vor zwei Jahren standen die Bergbahnen Destination Gstaad vor dem Ende. Matthias In-Albon, jüngster CEO der Branche, hat ihnen neues Leben eingehaucht.

Wenn Skifahrer in diesem Winter die Anlagen der Bergbahnen Destination Gstaad benützen, haben sie keine Ahnung. Keine Vorstellung davon, was es braucht, damit sie ihrem Hobby frönen können. So steigt die Zahl der Angestellten im Vergleich zum Sommer um das Dreifache. Dieses Jahr war die Saisonvorbereitung laut CEO Matthias In-Albon «besonders herausfordernd»: Baustart einer neuen Gondelbahn und Erneuerung der Beschneiungsanlage, die mehr Schneesicherheit garantieren soll.

Insgesamt sind seit Anfang 2016 rund 70 Mio. Fr. Investitionen in die Erneuerung von Bergbahninfrastruktur und Restaurants beschlossen worden. Kein Klacks für ein Unternehmen mit einem Gesamtertrag von rund 25 Mio. Fr. – das im Januar 2016 am Abgrund stand. Kurz zuvor war In-Albon als operativer Chef der Bergbahnen geholt worden. Ein Sprung ins kalte Wasser: Sanierung und Restrukturierung gleichzeitig.

Nach zwei miserablen Wintern waren die Bahnen dem Konkurs nahe. In-Albon erinnert sich: «Am Schluss war es wie ein Krimi.» Am letztmöglichen Tag einigten sich die sieben Gemeinden des Saanenlands und die Kantone Bern und Waadt. Die aussergerichtliche Sanierung der Bergbahnen war ausserdem nur möglich, weil viele Beteiligte auf Ansprüche «freiwillig» verzichteten.

Mit einem Kapitalschnitt um 85% und einer Wiederaufstockung der Eigenmittel um 25 Mio. Fr. war es das bislang grösste Sanierungsprojekt in der Schweizer Bergbahnbranche. Nun liegt die Kapitalmehrheit in privaten Händen. Der CEO der Bergbahnen ist froh darüber: «Vorher hat die Politik zu sehr mitgemischt.» Nach der finanziellen Sanierung ist die Hartnäckigkeit von Matthias In-Albon gefragt. Der im Januar 33 Jahre alt werdende Oberwalliser bringt einen ansehnlichen Rucksack an Erfahrung mit. Nach dem Studienabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen und einem Managementstudium (MBA) war er dreieinhalb Jahre lang für Lonza (LONN 679.00 +0.30%) unterwegs. Für den Pharmazulieferer reorganisierte er die globale Versorgungskette, «eine spannende und lehrreiche Zeit».

Doch Beratung befriedigte ihn auf Dauer nicht. Vielmehr reizte ihn, Massnahmen selbst umzusetzen. Zugleich verband er die Hobbys Skifahren und Wandern mit dem Beruf. Als Betriebsleiter (COO) der Saastal Bergbahnen im Wallis setzte er 2011 bis 2015 eine ähnliche Restrukturierung durch, wie er sie im Berner Oberland zu verantworten hat – nur jetzt an vorderster Front.

In der Region Gstaad musste der jüngste CEO der Branche Entscheide treffen, die heftige Opposition hervorriefen: Schliessung von Bahnen, Abschaffung von Hierarchiestufen und «Königreichen», Reduktion des Einheimischenrabatts und der Betriebszeiten. Und als besonderes Politikum eine Parkplatzgebühr von 5 Fr. – die aber pro Jahr eine halbe Million Franken Mehreinnahmen bringt.

Für Matthias In-Albon sind Zwölfstunden-Arbeitstage keine Seltenheit. Er identifiziert sich voll mit seiner Aufgabe, kaum eine andere Branche sei so vielseitig. Der CEO einer Bergbahn muss vieles sein: Betriebswirtschafter, Touristiker, Politiker, Psychologe. Im Saanenland hat er einiges erreicht, dank seiner ruhigen und bestimmten Art – vielleicht auch, weil er als Nicht-Einheimischer weniger auf alte Seilschaften und Gepflogenheiten Rücksicht nehmen muss. Die Ertragszahlen haben sich deutlich verbessert. Doch der CEO betont: «Die Sanierung verpufft, wenn wir die Profitabilität nicht weiter deutlich steigern.»

Gleichzeitig gehe es nun «in Richtung Vorwärtsstrategie». Gäste anzulocken in ein Tal, das zwar durchaus über eine reizvolle Landschaft, aber nicht über eine spektakuläre Attraktion wie das Matterhorn oder den Eiger verfügt, ist nicht einfach. Mit Meiringen-Hasliberg, Jungfrau Ski Region, Adelboden-Lenk lancieren die Bergbahnen Gstaad ein gemeinsames Saisonabonnement. Kooperation statt Alleingang, wobei für Matthias In-Albon klar ist: «Nicht mit einer Aldi-Tiefpreisstrategie, sondern mit einem vielfältigen, nicht nur auf das Bahnfahren beschränkten Angebot.»