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Hot Corner: Auf die Trendwende setzen

Ein neuer CEO und die Umstrukturierungen bis 2017 könnten beim Netzwerkausrüster Ericsson wieder Schwung in die Sache bringen.

Martin Lüscher

So billig waren die Aktien von Ericsson (ERIC B 89.73 +0.77%) (Stockholm: ERICB, Kurs: 47,78 sKr., Börsenkapitalisierung von 159 Mrd. sKr. oder 17,9 Mrd. Fr.) seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Im laufenden Jahr haben die Titel des grössten Netzwerkausrüsters 42% an Wert verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die vergangenen zwölf Monate ist auf 11 gesunken. Der Rückgang ist grösstenteils gerechtfertigt. Denn die Schweden durchleben turbulente Zeiten. Das Schlimmste könnte aber nun im Aktienkurs eingepreist sein.

Ein Blick zurück: Im zweiten Quartal verzeichnete Ericsson ein Umsatzminus von 11%, der Gewinn sackte um über ein Viertel ab. Wenige Tage später musste der langjährige CEO Hans Vestberg seinen Schreibtisch räumen. Finanzchef Jan Frykhammar übernahm den Posten als CEO interimistisch. Vor wenigen Tagen hatte er dann überraschend nochmals schlechte Nachrichten: Gemäss der vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal sank der Umsatz 14% gegenüber der Vorjahresperiode, und der Betriebsgewinn ging auch wegen Restrukturierungskosten 93% zurück. Die definitiven Zahlen publiziert das Unternehmen am Freitag.

Schwellenländer sparen

Die schwache Branchenentwicklung hat sich laut dem CEO weiter verschärft. Kurzfristig sei nicht mit einer Besserung zu rechnen. Ericsson beklagt Zurückhaltung in Brasilien, Russland und im Nahen Osten. Niedrige Rohstoffpreise und die schwache Konjunktur schränken die Investitionsvorhaben in neue Mobilfunknetze ein. Aber auch das Geschäft in Europa harzt. Der Ausbau der Netze auf den LTE-Standard ist vielerorts abgeschlossen. Und bis neue Investitionen die Auftragsbücher füllen, dauert es. So dürfte der schnelle Mobilfunkstandard 5G erst ab 2020 kommerziell an Fahrt gewinnen.

Um diese Durststrecke zu überwinden, will die Gesellschaft die jährlichen Kosten bis 2017 um 1 Mrd. Fr. senken. In Schweden sollen dreitausend Stellen gestrichen werden. Zudem will sich der Konzern von neunhundert Beratern trennen. Trotzdem bleibt Ericsson ein Grosskonzern. Das Unternehmen zählt 120‘000 Mitarbeiter weltweit. In Schweden sind es 17‘000.

Ericsson hält laut den Marktbeobachtern IHS im Markt für Mobilfunkausrüstung einen Anteil von 28%. Mit zwei Prozentpunkten dahinter lauern die im Januar fusionierten Nokia (NOKIA 5.11 +1.23%) und Alcatel-Lucent. Mehr Sorgen muss sich Ericsson um die Konkurrenz aus China machen. Die nichtkotierte Huawei meldete im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 40%. Und auch der kleinere chinesische Mitspieler ZTE (FZM 1.88 +1.46%) verzeichnet dank aggressiven Preisen zweistelliges Wachstum.

Die Rendite lockt

Mit einem KGV für 2017 von 13 sind Ericsson im Vergleich zur eigenen Historie fair bewertet. Gemessen an der Relation von Unternehmenswert zum geschätzten Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) für 2017 von 5 sind die Titel attraktiv. Der Unternehmenswert berücksichtigt die Bilanzqualität. Hier kommen 2,4 Mrd. Fr. Nettoliquidität per Ende Juni ins Spiel.

Attraktiv ist auch die Rendite. Für 2016 rechnen Analysten zwar im Schnitt mit einer Dividendenkürzung auf 2.94 sKr., was einer Rendite von 6,2% entspricht. Laut J. P. Morgan wird Ericsson die Dividende aber nur dann reduzieren, wenn sie langfristig einen niedrigeren Umsatz erwartet. Dies scheint wenig plausibel, da der mobile Datenverkehr bis 2021 laut Ericsson zwölfmal grösser werden soll.

Ein kurzfristiger Katalysator könnte die Nominierung des neuen CEO sein. Nach der Bekanntgabe des Abgangs von Hans Vestberg hatten die Titel 6% zugelegt. Gemäss der schwedischen Wirtschaftszeitung «Dagens Industri» steht die Wahl des CEO kurz bevor. Als Favorit gilt Hakan Eriksson, der die Geschicke von Ericsson in Australien lenkt.