Unternehmen / Ausland

Fusionsfantasie beflügelt Fiat Chrysler

Durch das Zusammengehen würde der drittgrösste Fahrzeughersteller der Welt entstehen.

«Mit Interesse» studiere der Verwaltungsrat von Renault (RNO 26.88 -30.11%) das Fusionsangebot von Fiat Chrysler, heisst es auf der Homepage des Autobauers. Was der amerikanisch-italienische Konzern schreibt, sieht auf den ersten Blick tatsächlich verlockend aus: Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne würde den drittgrössten Autobauer mit 8,7 Mio. verkauften Fahrzeugen und einem geschätzten Umsatz von 170 Mrd. € entstehen lassen. Die jährlichen Kosteneinsparungen werden auf mehr als 5 Mrd. € geschätzt.

An der Börse legten die Aktien von Fiat den grössten Kurssprung seit zehn Jahren hin. Sie gewannen am Vormittag um fast ein Fünftel. Im Tagesverlauf gaben sie dann etwas nach und notierten bei 12.80 €, ein Plus von 12,4%. Renault avancierten ebenfalls 15% und notierten am Nachmittag bei 57.70 €.

Angesichts fallender Verkäufe in Nordamerika, Asien und Europa – den wichtigsten Märkten – steigt der Druck auf die Autobranche, sich zu konsolidieren. In Asien und Europa hat Fiat Chrysler im ersten Quartal 2019 einen Verlust erwirtschaftet. Konzernweit ging der Umsatz 5% auf 24,5 Mrd. € zurück. Der Autobauer hat in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Zusammenschlüsse ausgelotet, unter anderem mit dem US-Konzern General Motors (GM 43.18 +0.51%) und der deutschen Volkswagen (VOW3 160.42 +1.05%), ist jedoch gescheitert. Da Fiat Chrysler wie Renault mit Sergio Marchionne und Carlos Ghosn ihre dominanten Figuren verloren haben, hat die Transaktion nun möglicherweise bessere Chancen. Beide hatten für ihren jeweiligen Konzern den Alleingang vorgezogen.

Entstehen soll ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden, an dem die Konzerne je zur Hälfte beteiligt sind. Beide könnten von einem Deal profitieren: Fiat Chrysler fehlen ein strategisches Standbein in Asien sowie innovative Produkte im Bereich E-Mobilität. Eine Fusion mit Renault würde diese Lücke füllen, meinen die Analysten der Helvetischen Bank. Renault wiederum fehlt das US-Geschäft, und sie bekäme Zugang zu Hybridtechnologien von Fiat Chrysler.

Ganz reibungslos dürfte eine Fusion jedoch nicht vonstattengehen. Renault ist bereits in einer komplexen Allianz (ALV 217.05 +0.09%) mit Nissan und Mitsubishi. Sie soll von dem Deal nicht betroffen sein. Eine komplette Auflösung der Allianz gilt als unwahrscheinlich, schreibt die Bank NordLB. Renault und Nissan sind über gegenseitige Beteiligungen miteinander verflochten, vorstellbar sei eher eine erweiterte Allianz.