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Was in der Fintech-Schweiz im September gelaufen ist

Zwei Schweizer Fintech-Einhörner im Vergleich, der Absturz des Bitcoin-Konkurrenten Ethereum und die neuste Möchtegern-Krypto-Bank ist am Start.

Valentin Ade

Wussten Sie, dass wir seit Jahren zwei Fintech-Einhörner (Unternehmen mit einer Bewertung über 1 Mrd. $) im Land haben – und das, noch bevor es den Begriff Fintech überhaupt gab? Es sind die weltweit erfolgreichen Bankensoftwarehersteller Avaloq und Temenos (TEMN 119.50 +0.04%). Letzterer läuft Ersterem allerdings gerade davon, wie Kollege Eflamm Mordrelle aufzeigt. Vielleicht sollte Avaloq das mittlerweile jahrelang geäusserte Versprechen eines Börsengangs einmal einlösen, Temenos scheint es nicht geschadet zu haben.

Ob dann die Schweizer Börse zum Zug kommt, ist fraglich. Denn die europäische Konkurrentin Euronext wirbt zurzeit offensiv auch um Schweizer Tech-Konzerne. So lässt sich beispielsweise das erfolgreiche Fintech-Start-up Loanboox von der Euronext für einen möglichen Börsengang fit machen.

Dabei ist die SIX jetzt doch so schön daran, sich zu digitalisieren. Mit der Einführung der «SIX Digital Exchange» baut der Konzern nach eigenen Aussagen «die weltweit erste vollständig integrierte Infrastruktur für den Handel, die Abwicklung und die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten auf.» Das Ziel: «die Tokenisierung von bestehenden Wertpapieren sowie die Integration von heute nicht im Finanzsystem abgebildeten Vermögenswerten, sogenannte non-bankable assets.» Das heisst, über die SIX wird man bald die eigene digitale Währung via ICO (Initial Coin Offering) ausgeben können.

Banken: Finger weg beim ICO

Dabei kühlt sich der ICO-Markt gerade ab. Das hat dramatische Folgen für die zweitgrösste Kryptowährung Ethereum, wie Kollege Alexander Trentin aufzeigt. Ist es also Zeit, die Finger von den Krypto-Start-ups und deren Währungen zu lassen, oder soll man jetzt erst recht einsteigen? Letzteres denkt sich zumindest der Medienkonzern Tamedia (Herausgeberin von «Finanz und Wirtschaft») und steigt bei der Kryptowährungshandelsplattform (schweres Wort) Lykke ein.

Die Kryptowährungen sind übrigens der Grund, warum Blockchain-Start-ups bei den meisten Schweizer Banken kategorisch kein Bankkonto bekommen. Die Bankiervereinigung hat jetzt einen Leitfaden für die Schweizer Banken zum Umgang mit den Start-ups herausgegeben. Fazit: Plant ein Start-up kein ICO, soll es wie ein normaler Unternehmenskunde behandelt werden. Plant es eines, lässt man als Bank vielleicht doch lieber weiter die Finger davon.

Die Zurückhaltung der Banken ist ein Grund, weshalb manche dieser Start-ups gleich selbst eine Banklizenz anstreben. Die neuste Möchtegern-Krypto-Bank heisst Seba. Das erste Krypto-Start-up, das die Banklizenz anstrebt, wie es selbst behauptet, ist Seba allerdings nicht. Das wollen bereits andere.

Skandal-Start-up vor Liquidation

Das bringt uns zur Bankenlizenz «light» oder auch einfach Fintech-Lizenz genannt. Die Vernehmlassung ist zu Ende und die Kollegen von Moneytoday.ch haben einzelne Voten ausgewertet. Fazit: Die Vorlage erntet viel Kritik, sie gehe nicht weit genug und schaffe umgekehrt sogar neue Hürden für die Fintech-Branche. Mal sehen, wie viel davon in die finale Fassung einfliessen wird. Zum Jahresanfang 2019 soll die neue Regelung bereits in Kraft treten.

Dieses Jungunternehmen wird die Lizenz wahrscheinlich nicht mehr beantragen: Envion, das aktuelle Skandal-Start-up des «Crypto Valley Zug», könnte vor der Liquidierung stehen, wie die Kollegen von der «Berner Zeitung» schreiben. Das ehemalige Skandal-Start-up Tezos ist nach überstandenen Turbulenzen dagegen am Laufen, respektive am «Backen», wie die Kollegen von Finews schreiben.

Das war’s für den September, wir stellen uns auf Oktober und die erste «Last Christmas»-Folter ein. Geniessen Sie einen möglichst goldenen Herbst und wie immer: Kritik, Lob, Anregungen und den Termin von Avaloqs Börsengang bitte an: valentin.ade@fuw.ch