Zum Thema: Führerausweis künftig überflüssig

Volkswagen in der Favoritenrolle

Die Wiederentdeckung von Automobilaktien ist nur eine Frage der Zeit.

Für Klaus Fröhlich, Entwicklungschef von BMW (BMW 80.44 +0.74%), ist klar: «Bis 2021 müssen wir Level 5, die höchste Stufe des autonomen Fahrens, beherrschen», sagt er in Interviews und an Messen – «selbst wenn bis dann wegen der Rahmenbedingungen noch nicht alle Funktionen angeboten werden können.» Der erste BMW, der über diese Fähigkeit verfügen soll, wird ein für 2021 angekündigtes Elektrofahrzeug namens iNext sein.

Elektrischer Antrieb und autonomes Fahren: In der Automobilindustrie sind das die beiden grossen Themen. Ersteres ist ein Muss, weil künftige Abgasvorschriften ohne nicht erfüllt werden können (Nichteinhalten wird mit schmerzhaften Bussen geahndet), Letzteres ist Ausdruck technischen Strebens. Beide sind zusätzliche Entwicklungsgebiete, die den Aufwand der Hersteller massiv erhöhen, und beide haben das Potenzial, die Branche durchzuschütteln.

Bewertungen sind niedrig

Die Automobilindustrie wird sich in den nächsten zehn Jahren massiv verändern. Das verunsichert. Investoren blicken an eine Nebelwand, potenzielle Kunden zögern angesichts der Veränderung der Technologie mit Neuanschaffungen. An der Börse spiegelt sich die Verunsicherung in Bewertungen, die sich nahe historischen Tiefständen bewegen – obwohl die Aktienmärkte insgesamt in den vergangenen Jahren eine markante Bewertungsexpansion erlebt haben.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 fast aller Automobilwerte liegt zwischen 6 und 8, wobei Renault (RNO 26.88 -30.11%) das untere Ende markieren und BMW, Daimler (MBG 64.69 +0.67%), Peugeot und Ford (F 9.62 -1.23%) das obere. Nur Toyota tanzen mit 11 aus der Reihe. Die Gewinne sind im historischen Vergleich meist hoch. Zum Vergleich: Der Stoxx 600 (SXXP 463.97 +0.39%) hat ein KGV von 15, der S&P 500 (SPX 4'545.86 +0.34%) eines von 19, und der Nikkei 225 (N225 27'787.98 +0.19%) kommt auf 20.

Für Tesla (TSLA 1'145.45 +5.61%) lässt sich kein KGV 2018 errechnen: Der Elektroautobauer wird erneut Verlust schreiben, gemäss Bloomberg-Konsens gut 1,3 Mrd. $. Dennoch bringt er mit 53 Mrd. $ mehr Gewicht auf die Waage als beispielsweise Ford, Nissan, Renault oder Hyundai (Hyundai Motor Rg 214'961.48 +7.93%).

Sieht man von Tesla ab, nehmen die meisten Kurse viele schlechte Nachrichten bereits vorweg. Gleichzeitig gibt es Chancen auf steigende Notierungen. Analysten verweisen auf das Schwinden der Nachteile von E-Automobilen in den nächsten Jahren und den Ausbau des Angebots. Das wird helfen, die Kaufzurückhaltung zu lösen. Ein anderes Argument lautet: Je sichtbarer und erlebbarer die neuen Technologien werden, desto mehr werden Automobile in einem neuen Licht gesehen – mit günstigem Effekt auf die Bewertung, zumal sich auch die Profitabilität von E-Fahrzeugen verbessern wird. Demnach kann es aus Anlegersicht schon bald interessant werden.

Mit Blick darauf präsentieren sich die Aktien von Volkswagen (VOW3 160.42 +1.05%) als besonders interessant. Der Konzern hat den Dieselskandal genutzt, um seine Strukturen und sein Denken neu auszurichten.

Grösse bringt Vorteile

Bis 2022 will Volkswagen über 30 Mrd. € in die Entwicklung von E-Fahrzeugen, ins autonome Fahren und in die Digitalisierung investieren. Darin spiegelt sich die geballte Kraft von Grösse, die sich in den Stückzahlen und den Stückkosten weiter fortsetzt, ein klarer Vorteil. Um das stemmen zu können, ohne Bewährtes zu vernachlässigen, soll der Konzern effizienter werden und sein Potenzial in Gewinn und Cashflow besser nutzen.

Nicht ohne Reiz sind dank des neuen Fünfjahresplans auch Renault. Für sie spricht kürzerfristig die Chance auf eine Erholung des Absatzes in aufstrebenden Märkten und längerfristig das unausgeschöpfte Potenzial aus der Allianz (ALV 217.05 +0.09%) mit Nissan. Weiter haltenswert sind ausserdem BMW und Daimler, und auch General Motors (GM 43.18 +0.51%) können im Depot bleiben.