Zum Thema: Victor Vekselberg ohne Fortune in der Schweiz

Vekselbergs Performance in der Schweiz

Die Beteiligungen des russischen Investors in der Schweiz weisen derzeit einen Börsenwert von 3,1 Mrd. Fr. auf. Sein Oerlikon-Paket ist 1,7 Mrd. Fr. wert.

ZVG Pfaeffikon SZ

Aus OC Oerlikon kann wieder was werden

Der Oerlikon-Konzern hat in den vergangenen 25 Jahren mehrere Umwälzungen und Existenzkrisen erlebt. Das ist auch in der Ära Vekselberg nicht anders. Nachdem die Renova Holding im Juli 2006 auf einen Schlag über 10% Kapitalbeteiligung bekanntgegeben hatte, folgte eine Wachstumsphase, genährt von Solarfantasie. Bis September 2007 erhöhte Victor Vekselberg den Anteil in zwei Schritten auf 21,4%. Die Börsenkurse bewegten sich damals zwischen 46 und 92 Fr. je Aktie. Im April 2008 gewann Vekselberg einen Machtkampf gegen die österreichische Beteiligungsgesellschaft Victory und sicherte sich mit 39% die Kontrolle über den Technologiekonzern. Auf die Finanzkrise folgten wirtschaftlich schwierige Jahre. Aktuell hält der Russe 43,3% an OC Oerlikon (OERL 6.99 +0.22%), der Aktienkurs pendelt um 12 Fr. Anleger, die auf ihn gesetzt haben und im Frühjahr 2008 eingestiegen sind, haben einen grossen Teil des Einsatzes verloren.

Ein Blick auf die Kursgrafik genügt: Als Investor ist Vekselberg zu einem unglücklichen Zeitpunkt eingestiegen. Strategisch und bilanziell steht der Konzern jedoch im Vergleich zu damals deutlich gefestigter da. In den vergangenen fünf Jahren ist das Geschäftsrisiko markant gesunken. OC Oerlikon steht nach Schuldenschnitt samt Kapitalerhöhung – Vekselberg schoss 400 Mio. Fr. ein –, Restrukturierung und dem Verkauf von Unternehmen (u.a. Saurer Textilmaschinen, Solaraktivitäten, Sparte Advanced Technologies) schuldenfrei da und verfügt über Nettoliquidität.

Der Konzern erwirtschaftet eine prozentual zweistellige Betriebsmarge. Mit der Übernahme der Oberflächenbeschichtungssparte von Sulzer (SUN 59.70 -2.29%) Anfang 2014 zum Preis von 1 Mrd. Fr. hat sich das Unternehmensprofil weiter verbessert. Die Bilanz erlaubt weitere Zukäufe. AS

 

Sulzer

Sulzer lässt Fragen offen

Wie bei OC Oerlikon ist Victor Vekselberg in Sulzer zu hohen Börsenkursen vor der Finanzkrise eingestiegen. Die Machtübernahme hatte keine sichtbaren Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie. Auch personell, sowohl auf Stufe Verwaltungsrat wie Konzernleitung, ist Sulzer im Vergleich zu OC stabiler geblieben. Im Unterschied zu OC hat Sulzer die nachfolgende Rezession gut gemeistert, die Bilanz blieb stets solide. Von 2007 bis 2012 rutschte die operative Marge nie unter 10%, dank reger Investitionstätigkeit im Öl- und Gasmarkt, in dem Sulzer etwa die Hälfte der Einnahmen erzielt. Der Erfolg spiegelte sich im Aktienkurs, der sich vor zwei Jahren ungefähr auf Einstiegsniveau bewegte.

Seither jedoch steckt der Wurm drin, die Valoren haben ein Drittel eingebüsst. Im Bereich Pumpen enttäuschte das 2011 übernommene Wassergeschäft die Erwartung an die Profitabilität und musste restrukturiert werden. Es folgte ein Abschreiber von 340 Mio. Fr. Auch Zukäufe in der Sparte Turbo Service entwickelten sich weniger gut als erhofft. Zudem hat der Einbruch der Rohstoffpreise im Öl- und Gassektor zur Folge, dass weniger investiert wird. Das trifft auch Sulzer, auch wenn der Konzern weniger auf die Förderung als vielmehr auf Verteilung und Verarbeitung ausgerichtet ist.

Schliesslich passte es vielen Investoren nicht, dass Sulzer die Sparte Oberflächenbehandlung (Metco) Anfang 2014 an OC Oerlikon veräusserte. Der Nettoerlös von 850 Mio. Fr. schlummert seither mehr oder weniger renditelos in der Bilanz, die versprochenen Zukäufe lassen auf sich warten. Vor Monatsfrist sagte CEO Klaus Stahlmann der Nachrichtenagentur AWP immerhin, das Zeitfenster für Übernahmen sei wegen niedrigerer Bewertungen günstig. AS

 

STAHL, STAHLPRODUZENT, STAHLINDUSTRIE,

S+B muss auf besseres Umfeld hoffen

Victor Vekselberg ist am 28. Juni 2013 beim Spezialstahlhersteller Schmolz + Bickenbach (S+B) eingestiegen. Als der Russe sich an der Generalversammlung mit seinen Vorschlägen zur Erneuerung des Verwaltungsrats nicht durchsetzen konnte (VR-Präsident Hans-Peter Zehnder (ZEHN 36.65 +0.69%) wurde mit 50,4% bestätigt), erwarb er noch am selben Tag von der verbündeten Familienaktionärin S+B KG gut 20% und später weitere 5%. Die Familiengesellschaft stand finanziell mit dem Rücken zur Wand. S+B war viel zu hoch verschuldet und benötigte viel frisches Geld, das die Familie nicht hatte. Vekselberg nutzte das aus und zahlte je Aktie nur 2.40 Fr. (Marktpreis: 2.90).

Es folgte eine Aufwärtsbewegung auf rund 3.50 Fr., entsprechend einer Performance von 46% für Vekselberg und von 22% für den Publikumsaktionär. Dann kam die Kapitalerhöhung. Nach Abgang des Bezugsrechts notierten die S+B-Aktien 0.905 Fr. Die weitere Kursperformance war zunächst erfreulich. Der Anstieg auf 1.50 Fr. bis Mitte 2014 stellte sich aber als übertrieben heraus. Zwar wurde die finanzielle Situation bereinigt und die operative Effizienz gesteigert. Anfang 2015 wurde auch endlich die Distributionseinheit veräussert, die ein Viertel des Umsatzes ausmachte, aber nichts verdiente. Doch das Marktumfeld ist zu schlecht. Negativ aufgefallen ist die auch Unruhe in den Führungsgremien.

Wer mit Vekselberg einstieg, hat mit diesem Betrag einen Kursgewinn von 22% erzielt. Wer die Kapitalerhöhung mittrug, hat mit dem frischen Geld zum aktuellen Kurs von 0.91 Fr. aber nichts verdient. Gemessen am hohen Risiko des Stahlkonzerns und am Gesamtmarkt ist das dürftig. Für bessere Aktienkurse braucht es höhere Absatzpreise. BA

 

Zublin Immobilien

Sanierungsfall Züblin

Als Victor Vekselberg Ende 2004 über das Beteiligungsvehikel Lamesa in Züblin (ZUBN 29.20 0%) einstieg, hatte das Unternehmen den Ehrgeiz, in die Champions League von Europas Immobiliengesellschaften vorzustossen. Das Portfolio im Wert von 1,35 Mrd. Fr. sollte in nur drei Jahren auf 2,5 bis 3 Mrd. Fr. ausgebaut werden. Lamesa erwarb vom Versicherer Suva ein Paket von 9,4% Züblin-Aktien. Die Anteile waren damals rund 25 Mio. Fr. wert. Der Kurs lag um 9 Fr.

Heute, gut zehn Jahre später hat Züblin noch Immobilien für 531 Mio. Fr. im Portfolio, wovon 40% zum Verkauf stehen. Lamesa hält seit letztem Sommer 33,02%. Nach der Ankündigung eines Kapitalschnitts liegt der Wert des Pakets auf 21 Mio. Fr. Eine Züblin-Aktie kostet 0.76 Fr.

Dazwischen liegt eine Dekade mit Finanz- und Eurokrisen, die zahlreiche Bewertungskorrekturen gefolgt von Verlustausweisen bewirkten. Mit Liegenschaftsverkäufen hielt sich Züblin jeweils über Wasser, aus den  Europaplänen wurde nichts. Abwechslungsweise standen das Deutschland-, das Frankreich- oder das Schweizportfolio zum Verkauf. Im Sommer 2014 wurde der Verkauf des Schweizportfolios gestoppt und dafür die Absicht zur Trennung vom Frankreichgeschäft bekanntgemacht. Lamesa stockte die Beteiligung bis just unter die Schwelle auf, die eine Angebotspflicht auslösen würde. Von einer Übernahme scheint Vekselberg auch jetzt nichts wissen zu wollen, ersucht er doch die Übernahmekommission um eine Befreiung von der Angebotspflicht, wenn Züblin den Kapitalschnitt durchzieht.

Eine Dividende hat Züblin übrigens letztmals 2008 in Form einer Aktiendividende bezahlt. Statt zum Glanzstück hat sich das Unternehmen in der Ära Vekselberg zum Sanierungsfall entwickelt. GA