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Tesla verbrennt Milliarden

Der Elektroautobauer rutscht wieder in die Verlustzone. Die Aufnahme von frischem Kapital wird unumgänglich.

So kann es nicht weitergehen. Das hat nun sogar Elon Musk eingesehen. «Ich denke, dass es an dieser Stelle von Vorteil ist, Kapital aufzunehmen», sagte der Tesla-CEO am Investorencall vom Mittwoch. Details gab er aber keine preis. Doch die Not ist klar. Denn das erste Quartal war ein Desaster. Tesla (TSLA 1'145.45 +5.61%) verbrannte 1,5 Mrd. $ Cash und reduzierte den Bestand auf 2,2 Mrd. $. Der Rückgang geht laut Tesla auf die Rückzahlung einer fälligen Wandelanleihe über 920 Mio. $ zurück sowie auf die gestiegene Anzahl Autos, die noch unterwegs zu den Kunden sind.

Dass Tesla nicht an die profitablen Quartale des zweiten Semesters 2018 anschliessen konnte, hatte das Unternehmen angekündigt. Anfang April meldete es bei der Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge gegenüber dem Vorquartal einen Einbruch von 30% auf 63 000. Dennoch wurden die Marktteilnehmer von der Höhe des Verlusts überrascht. Der Fehlbetrag von 702 Mio. $ war mehr als doppelt so gross wie die 280 Mio. $, die von den Analysten erwartet worden  waren.

Warnsignale überall

[info 3R]Im Quartalsabschluss gibt es kaum Lichtblicke. Grell leuchten hingegen die Warnlampen. Beispielsweise sank der Umsatz mit dem Verkauf und dem Leasing von Fahrzeugen gegenüber dem Vorquartal 40% auf 3,7 Mrd. $, und der Gesamtumsatz ging ein Drittel auf 4,5 Mrd. $ zurück. «Der Abschluss verfehlte mehrere unserer Prognosen», schreibt Aktienanalyst Ryan Brinkman von JPMorgan in einem Kommentar. «Dazu gehören die Margen sowie – am wichtigstem – der freie Geldfluss.»

Der freie Geldfluss ergibt sich aus dem Geld, das das Unternehmen mit der operativen Tätigkeit einnimmt, abzüglich der Investitionen in langfristige Anlagen. Damit muss das Unternehmen unter anderem die Kapitalkosten begleichen. Der freie Geldfluss betrug –920 Mio. $. Im vierten Quartal war es noch ein Plus von 880 Mio. $. Der operative Geldfluss sank von 1,2 Mrd. $ auf –640 Mio. $.

Das Unternehmen begründete die schwache operative Entwicklung mit  «unvorhergesehenen Herausforderungen, die dazu geführt hatten, dass nur die Hälfte der Fahrzeuge zehn Tage vor Ende des Quartals ausgeliefert werden konnte», wie es in der Mitteilung schreibt. Eine grosse Zahl der Bestellungen vom ersten Quartal werde deshalb verspätet ausgeliefert.

Marktteilnehmer sind skeptischer. Der Anteil der leerverkauften Tesla-Aktien ist laut S&P Global Market Intelligence in den vergangenen Monaten von 14 auf 19% gestiegen. Zu den Kritikern gehört auch David Einhorn. Der Hedge-Fund-Manager zweifelt daran, dass Tesla bei der Zahl verkaufter Autos das Niveau vom ersten Quartal halten kann, wie er in einem Investorenbrief schreibt. Der Gründer von Greenlight Capital sieht eine deutlich sinkende Nachfrage, nachdem die Euphorie nach der Einführung des Model  3 verflogen ist. In den USA werden Elektroautos zudem weniger attraktiv, da staatliche Subventionen auslaufen. Erhielten Konsumenten beim Kauf eines Elektroautos 2018 eine Steuergutschrift von 7500 $, wurde sie per Januar halbiert. Im Juli wird sie erneut halbiert, im Dezember fällt sie weg.

Um den Wegfall zu kompensieren, hat Tesla im ersten Quartal die Preise durchs Band gesenkt. Zudem hat sie angekündigt, Autos nur noch online zu verkaufen. Dadurch sollen die Kosten gesenkt werden. Doch bei beidem musste das Unternehmen zurückkrebsen. Wegen langfristiger Mietverträge werden weniger Lokale geschlossen als geplant, und die günstigste Version des Model  3 für 35 000 $ wurde angepasst. Während die Aktion die Marge drückte, löste sie keinen nachhaltigen Nachfrageschub aus.

Zweites Quartal auch rot

Für Itay Michaeli, Aktienanalyst von Citi, überwiegen beim Abschluss die negativen Aspekte. Dabei betont er die kurzfristige Prognose. «Obwohl Tesla für das zweite Quartal eine Rekordzahl von Auslieferungen erwartet, rechnet sie mit einem Verlust», schreibt er in einem Kommentar. Auch Garrett Nelsen vom Researchhaus CFRA ist skeptisch. Er bezeichnet Musks Prognose von 360 000 bis 400 000 verkauften Fahrzeugen im laufenden Jahr als «unrealistisch». Ein Grund sei auch die grössere Konkurrenz. An der Autoshow in New York werden derzeit mehr als vierzig Elektroautos präsentiert.

Die Anleger teilen diese Skepsis. Am Tag nach der Veröffentlichung der Zahlen gaben die Titel 4,3% nach. Im Jahresvergleich notieren sie gar 23% schwächer. Wenig Zuversicht verbreiten zudem die Anleihen von Tesla. Der Bond mit Fälligkeit 2025 notiert derzeit bei 84,75%. Für Anleger drängt sich keine Investition auf.