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Vaudoise Versicherung schafft eine solidere Basis

Analyse | Das Management stellt die zinssensitive Lebensversicherung um. Die Schadenversicherung arbeitet lukrativ. Hier sollen weitere Marktanteile gewonnen werden.

Der Versicherer Vaudoise hat im vergangenen Jahr das Fundament für eine rentablere Zukunft gelegt. Neue Policen wurden selektiver als zuvor abgeschlossen. Das Geschäftsvolumen sank deshalb 1% auf 1,1 Mrd. Fr. Der Überschuss glitt 3% zurück auf 124,8 Mio. Fr. bzw. 41.60 Fr. je Namenaktie.

Die Ausschüttung bleibt stabil auf 12 Fr. je Aktie. Insgesamt erhalten die Aktionäre 14 Mio. Fr. Weitere 36,5 Mio. Fr. des Überschusses werden als Prämienrabatt an die Schadenversicherungskunden zurückgeleitet.

Gewinnverteilung als Genossenschaftsbonus

Diese Art der Gewinnverteilung fördere die Kundentreue, sagte Unternehmenschef Philippe Hebeisen an der Jahreskonferenz. Sie ist zugleich ein kräftiges Argument für die Gewinnung zusätzlicher Versicherungsnehmer. Diese Sonderstellung wird von der Kontrollaktionärin Mutuelle Vaudoise hochgehalten. Die Genossenschaft besitzt alle nicht kotierten Vorzugsaktien, die ihr ein dominierendes Stimmengewicht von 91% sichern.

Die Vaudoise-Gruppe steigerte die Einnahmen der Sparten Sach-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen 5,6% auf 876,2 Mio. Fr. Die Schadenszahlungen stiegen unterproportional. «Bei einem stabilen Kostensatz resultierte deshalb ein auf 110 Mio. Fr. verdoppeltes Spartenergebnis», erläuterte Hebeisen.

Zinsbedarf ein Zehntel verringert

In der Lebensversicherung forcierte das Unternehmen Policen, die keine bzw. begrenzte Zinsgarantien enthalten. Traditionelle ertragsgarantierende Verträge wurden nur mehr zurückhaltend angeboten. In Summe fiel das Spartenvolumen beinahe ein Viertel auf 201,7 Mio. Fr. Das Spartenergebnis schrumpfte mehr als 80% auf 13 Mio. Fr. Zu Lasten der Rechnung sind 68 Mio. Fr. als Zinsrückstellungen gebucht worden. Gemäss Hebeisen ist damit der künftige Zinsbedarf des gesamten Lebensversicherungsbestands von 1,6 auf noch 1,4% vermindert.

Die niedrigere Renditehürde wird es Vaudoise im laufenden und den künftigen Jahren ermöglichen, mehr Gewinn aus der Lebensversicherungssparte zu ziehen. «Mit allen unseren Angeboten haben wir besonders in der Deutschschweiz ein noch grosses Potenzial», ist Hebeisen optimistisch. Er nimmt sich vor, dass Vaudoise in der Schadenversicherung weitere Marktanteile gewinnt.

Einiges mehr möglich

Für den Zeitraum bis 2019 steht das Renditeziel für das Eigenkapital auf 8 bis 10%. Es ist im zurückliegenden Jahr mit 7,8% knapp verpasst worden. «Finanz und Wirtschaft» schätzt für 2017 einen etwa 5% höheren Gewinn von 130 Mio. Fr. bzw. 43.20 Fr. je Aktie. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Rentabilität der Schadensparte anhält und dass in der Lebensversicherung im Jahresvergleich geringere Zinsrückstellungen gebildet werden.

Die Perspektiven des Unternehmens sind folglich ansprechend. Die Vaudoise-Aktien notieren mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 auf Höhe des Branchenschnitts. Sie handeln in einem engen Markt. Oft sind nur wenige Stücke im Angebot. Engagements setzten deshalb eine langfristige Bereitschaft voraus. Börsentransaktionen sollten nur mit Kurslimiten aufgegeben werden.

Die komplette Historie zu Vaudoise finden Sie hier. »