Trivero. Ein Schwimmbad, eine Bibliothek, Geschäfte, ein Spital, Wohnhäuser, ein Hotel, Wälder – eine auf den ersten Blick normale, zwischen zwei Bergtälern liegende Stadt mit 5000 Einwohnern. Fährt man aber ab Trivero auf der schwindelerregenden Panoramastrasse einige Kilometer zum Gipfel, spürt man: hier hat ein Meister den Ort geprägt – Ermenegildo Zegna.

Tatsächlich verdankt ihm Trivero den Wiederaufschwung vor dem ersten Weltkrieg. Damals träumte er von einer Oase des Wohlstands inmitten der Wirtschaftsflaute der Dreissigerjahre. Heute ist es eine grosse, grüne, ökologisch verantwortungsvolle Insel.

Ermenegildo Zegna, ein Unternehmer, der buchstäblich mit nichts startete, ein Imperium für Luxustextilien aufbaute und gleichzeitig eine Pionierrolle in der sozialen und ökologischen Aufwertung spielte.

Die Spinnerei und Weberei Zegna ist der grösste Industriebetrieb im Biellese im Piemont. Das Know-how der Region in der Textilproduktion ist seit sieben Jahrhunderten eine der wichtigsten Säulen der italienischen Wirtschaft. Und die Basis des erfolgreichen Zegna-Imperiums mit seinen weltweit 7000 Mitarbeitenden, das seine Unabhängigkeit von den grossen Luxuskonzernen bewahrt hat.

Ermenegildo, 1892 als jüngstes Kind einer 10-köpfigen Familie geboren, steigt 1910 in die kleine Stoffweberei seines Vaters ein. In den 1920er-Jahren erkennt er die Möglichkeiten, den Betrieb zu einem internationalen Unternehmen auszubauen und ein italienisches Qualitätslabel für Textilien zu entwickeln, mit dem er den im Bereich hochwertiger Stoffe führenden Engländern die Stirn bieten will.

Englische Wolle aus Norwich besass jenen seidigen, edlen Griff, um den sie die ganze Textilwelt beneidete. 1938 exportiert Zegna bereits in über ein Dutzend Länder. Aber er hat New York im Visier. Er reist über den Atlantik und lädt alle ausgewanderten italienischen Schneider zu einem grossen Diner ein.

Er überzeugt sie, dass nur Qualität made by Zegna ihres Talents würdig ist. Das Unternehmen prosperiert, ebenso die Einwohner von Trivero, die praktisch ausnahmslos in der Weberei arbeiten. Ermenegildo Zegna, der sich des Reichtums und des Potenzials seiner Region bewusst ist, will die Landschaft aufwerten.

Wegen des Bedarfs der Holzheizungen sind die Berghänge abgeholzt, das Ökosystem liegt am Boden. Also lässt er 500’000 Nadelbäume, Rhododendren und Hortensien pflanzen. Er finanziert die städtische Infrastruktur, baut Spital, Wohnhäuser, Bibliothek, denn er weiss, wie wichtig soziales Wohlbefinden für die wirtschaftliche Prosperität ist.

Er initiiert die Oasi Zegna, die 1993 offiziell gegründet wird. Der Zweite Weltkrieg bremst den Export, die Lieferungen von Wolle aus Australien sind gestoppt. Um das kostbare Handwerk nicht durch Entlassungen zu verlieren, beschliesst Ermenegildo mit Unterstützung seiner Brüder Angelo und Aldo, die Textilarbeiter mit dem Bau einer 26 Kilometer langen Strasse, der Panoramica Zegna, zu beschäftigen, welche die beiden Täler verbindet.

In den 1960er-Jahren baut er Skilifte und das Hotel Il Bucaneve. Der Wirtschaftsboom der «glorreichen Dreissiger» führt zur internationalen Expansion der Marke. Heute gibt es weltweit 500 Ermenegildo-Zegna-Geschäfte, wovon zwei Drittel vom Mutterhaus geführt werden.

In der Massschneiderei Su Misura, weiterhin Kerngeschäft des Hauses, arbeitet die Mehrheit der Handwerker. Mit 400 Mitarbeitenden ist die Spinnerei von Trivero eines der grössten vertikal integrierten Unternehmen des Bereichs. Hier wird Merino-Wolle von A bis Z, vom Schaf bis zum kostbaren Stoff, produziert.

Unter dem Präsidium von Anna Zegna, Nichte von Ermenegildo und Schwester von Gildo Zegna, CEO der Gruppe, ist die Fondazione Zegna heute für die Oasi verantwortlich, zur Weiterführung der umweltbewussten Visionen des Gründers.

2014 erhielt das Naturschutzgebiet das Zertifikat FAI (Fondo Ambiente Italiano).

Im Herzen der 100 Quadratkilometer grossen Oasi Zegna, mit Trivero, der Weberei und dem Museum, liegt die geschützte Bergregion, die jedermann zugänglich ist und wo sportliche, kulturelle und Wellness-Aktivitäten geboten werden: Mountainbike, Pferdewanderungen, Trekking, Ökomuseum, bioenergetische Parcours im Bosco del Sorriso (Wald des Lächeln), wo jede Baumessenz dank ihrer energetischen Eigenschaften für gezielte Therapien genutzt wird.

Ein grüner Luxus, der weitergeht. Und eine Inspirationsquelle für Mark Zuckerberg und seinen Traum der idealen Stadt «Zee-town».