Unternehmen / Schweiz

Management nicht im Aktionariat vertreten – Titel im zyklischen Tief

Peter Schuppli

Der Jahresbericht 2004 und der Halbjahresbericht 2005 von Micronas einerseits sowie die am 1.Juli dieses Jahres von der SWX Swiss Exchange in Kraft gesetzte Offenlegungspflicht von Managementtransaktionen andererseits fördern Bemerkenswertes zu Tage. Die Veränderungen im Besitz von Optionen und Aktien des Verwaltungsrats (VR) und der Geschäftsleitung (GL) geben einen Einblick in das Innenleben dieser Insider.
Zu den Fakten: Per Ende 2004 besassen die insgesamt fünfzehn Mitglieder von VR und GL 140400 Optionen, die ihnen am 15.Oktober 2001 zugeteilt worden waren. Jede dieser Optionen berechtigt bis 31.Dezember 2005 zum Bezug einer Aktie zu 13.80 Fr. Bereits per 30.Juni 2005 besassen ein VR-Mitglied (Harald Stanzer) und alle GL-Mitglieder (mit Ausnahme von Nicholas Ververis, Vice President Quality) keine Optionen und keine Aktien mehr. Das heisst, sie haben ihre Optionen in der ersten Jahreshälfte ausgeübt und die Aktien noch vor Inkrafttreten der Meldepflicht verkauft. Wann genau, ist nicht bekannt. Zur Erinnerung: Zwei Mal, im Februar und im April, musste das Unternehmen die Erwartungen dämpfen – mit entsprechend unvorteilhaften Kursfolgen.
Am 6.Oktober erreichte die dritte kursbelastende Meldung die Anleger (siehe «Lieber Investor» in FuW Nr.98 vom 10.Dezember). Bereits einen Monat vorher hatte allerdings eine Insidertransaktion stattgefunden. Es muss VR-Präsident Franz Betschon gewesen sein, denn nur er besass exakt die der SWX als Erwerb gemeldeten 13600 Titel (zum Ausübungspreis von 13.80 Fr. je Aktie). Gleichentags veräusserte er die bezogenen 13600 Papiere zu 55 Fr. Betschons Gewinn aus der Transaktion: 560320 Fr.
Am 5.Dezember machte dann auch VR-Vizepräsident Thomas Lustenberger von seinem Optionsrecht Gebrauch und bezog die Aktien. Verkauft hat er sie bis dato nicht. Noch keine Meldung liegt von den Verwaltungsräten Rudolf W. Hug (6800 der bis 31.Dezember 2005 ausübbaren Optionen) und Alfred M. Niederer (20000 Optionen) vor. Die Zuteilung von Optionen ist im Fall von Micronas Teil der Entschädigung an Organmitglieder. Die fünf VR-Mitglieder haben für das Jahr 2004 zusammen 0,6 Mio. Fr. erhalten (davon Betschon 0,2 Mio. Fr.), die zehn Mitglieder des Managements 15,2 Mio. Fr.
Bemerkenswert ist, dass gemäss Angaben im Semesterbericht VR-Präsident Betschon nur eine einzige Aktie besitzt und die GL-Mitglieder alle Titel abgestossen haben. Das lässt Interpretationsspielraum offen: Haben sie den Glauben an eine gedeihliche Entwicklung des Unternehmens verloren und sich deshalb von ihren Papieren getrennt
Oder verkauften sie, um flüssige Mittel bereitzustellen, damit sie ihre (erhöhte) Steuerrechnung begleichen können
Wie auch immer: Die Insidertransaktionen lassen einen schalen Nachgeschmack zurück.
Fest steht, dass die Micronas-Aktien das zyklische Auf und Ab in der Branche spiegeln. Für konsequent antizyklisch handelnde Anleger wäre der Zeitpunkt für ein Engagement gekommen, denn die von Micronas entwickelte Technologie ist viel versprechend. Das Verhalten der Insider dämpft allerdings die Kauflust. PS

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