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Kunsthändler im KunsttempelDas Zürcher Kunsthaus zeigt die Sammlung Nahmad – Ein Lehrstück der Kunstkapitalanlage – Kaufen und Halten

Christian von Faber-Castell

Die vom Zürcher Kunsthaus bis 15. Januar gezeigte Ausstellung «Miró, Monet, Matisse», die rund hundert Werke aus dem Besitz der Kunsthandelsfamilie Nahmad vorstellt, bringt allen Beteiligten Gewinn. Das Kunsthaus erfährt in der Zusammenarbeit mit den vermögenden Leihgebern – hoffentlich – grosszügige Unterstützung bei der Bewältigung der hohen Transport-, Versicherungs- und Katalogkosten, die mit einem Ausstellungsgut im schätzbaren Gesamtwert zwischen 500 Mio. und 1 Mrd. $ verbunden sind. Immerhin rangieren David Nahmad und seine beiden Brüder mit einem geschätzten Vermögen von 3 Mrd. $ auf Rang 376 der «Forbes»-Liste der 500 Reichsten.

Zugleich profitieren die Nahmads als Eigentümer dieser Bilder von dieser Zusammenarbeit, wird doch jede Sammlung durch eine öffentliche Museumsausstellung geadelt und aufgewertet. Vielleicht erweist sich die Kunsthausschau sogar als erfolgreiche Verkaufsausstellung, und ein Besucher verliebt sich so heftig in eines der Bilder, dass er es den Nahmads spontan abkauft.

Museen müssen wirtschaften

Doch den grössten Nutzen aus dieser Kooperation von Museum und Kunstgrosshändler haben die Ausstellungsbesucher, die so in den Genuss prächtiger Meisterwerke des Impressionismus und der klassischen Moderne kommen. Für diesen Kunstgenuss ist es unerheblich, dass viele dieser Bilder von den Nahmads vielleicht schon bald verkauft werden. Dass manche hier möglicherweise zum letzten Mal zu sehen sind, bevor sie in einer Privatsammlung verschwinden, macht diese Schau sogar noch wertvoller. Kulturpuristen, die sich an dieser Kollaboration von Kunsthandel und Kunsttempel reiben, übersehen die politischen und wirtschaftlichen Realitäten des heutigen Kultur- und Museumsbetriebs. Nicht nur konservative Kreise fordern von staatlich subventionierten Kultureinrichtungen einen ökonomischen, nutzenoptimierenden Umgang mit den Steuergeldern. Indem sie kostensparende Synergien in der Zusammenarbeit mit dem Kunsthandel nutzen, erfüllen Kunsthausdirektor Dr. Christoph Becker und sein Team lediglich diese Forderung, und zwar erst noch ohne schädliche Nebenwirkungen.

Schliesslich bietet die Nahmad-Schau ein Lehrbeispiel zum Thema Kunst als Kapitalanlage. Eine Grundlage hierfür liefern die aus Auktionspreisdatenbanken abrufbaren Ankaufspreise vieler Werke aus dem Kunstbesitz der Nahmads. Dieser ist so legendär wie ihre Kunsthandelsgeschäfte, die grossenteils im Genfer Zollfreilager abgewickelt werden. Dort sollen auf 1400 Quadratmetern rund 5000 Kunstwerke in einem geschätzten Wert zwischen 3 und 4 Mrd. $ lagern, davon allein 300 Picassos im Schätzwert von 900 Mio. $. In ihrem Artikel «The Art of the Deal» in der Onlineausgabe des «Forbes»-Magazins vom 24. Dezember 2007 erläutert die Kunstmarktexpertin Susan Adams die ebenso einfache wie erfolgreiche Kunstanlagestrategie der Nahmads: Angekauft werden ausschliesslich sichere Werte der bedeutendsten marktbewährten Meister. Weil sie meistens auf grossen Versteigerungen gekauft werden, entfallen eigene aufwendige und teure Recherchen und Katalogisierungsarbeiten.

Einfaches Erfolgsrezept

Seine strenge Beschränkung auf beste Kunstmarkt-Blue-Chips begründet David Nahmad mit dem aufschlussreichen Vergleich: «Monet und Picasso sind wie Microsoft und Coca-Cola. Wir wissen, dass der mit ihnen erzielbare Gewinn nicht so gross ist wie im Falle zeitgenössischer Kunst. Dafür ist er aber sicherer.» Der zweite Grundsatz von Nahmads Kunstanlagestrategie lautet «Buy and Hold – Kaufen und Halten», und zwar so lange, bis sich eine Verkaufsgelegenheit bietet.

Leisten kann sich dies nur, wer Kunstwerke unbeschränkt zu lagern vermag, ohne Kreditzinsen für sie zahlen zu müssen. «Im Kunstgeschäft ist das Eigentum an den Werken der Schlüssel zum Erfolg», lässt sich Susan Adams von einem New Yorker Händler belehren. Eine Voraussetzung für die konsequente Anwendung dieser Kunstanlagestrategie besteht allerdings in einem soliden Vermögen. Dieses erwarben die aus Syrien stammenden jüdisch-libanesischen Brüder David, Ezra und Joe Nahmad im Devisen- und Commodity-Geschäft, das sie noch heute betreiben. David Nahmad gilt zudem als begnadeter Backgammonspieler, der darin 1996 sogar den Weltmeistertitel erspielt hat.Die nach ihrem Grossvater beide Helly heissenden Söhne von David und Ezra führen zwei Galerien in New York und London. Dort verkaufen sie auch Kunst neuer Marktstars wie Damien Hirst, die David Nahmad noch als überteuerten Luxus betrachtete. An der bewährten Anlagestrategie scheinen die beiden Nahmad-Cousins aber wenig ändern zu wollen. Lediglich ihre Taktik sollen sie dem etwas lauteren Kunstmarktbetrieb unserer Tage angepasst haben. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?