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Hot Corner: Peugeot sind einen Blick wert

Die Aktien des Autobauers befinden sich in Sippenhaft. Ihr Kurs trägt den Fortschritten keine Rechnung.

Christian Braun

Anleger, die es verpasst haben, sich zur rechten Zeit in Peugeot zu engagieren, erhalten nochmals eine Chance. Die in Paris kotierten Aktien des sich in einem Turnaround befindenden Automobilkonzerns (Bloomberg-Kürzel: UG) notieren zu Kursen, die sie schon vor anderthalb Jahren und dann wieder zu Jahresbeginn erreicht hatten, ehe sie auf fast 20 € entschwanden.

Klar, mit ihnen kann man sich die Finger verbrennen. An Gründen, sie zu meiden, fehlt es nicht. Ein Marktumfeld mit Risiken in China sowie Einbrüchen in Russland und Südamerika. Die Gefahr, dass sich im Bestreben, die Preiskluft zum Wettbewerb zu schliessen, Marktanteilsverluste und Kostennachteile einstellen. Die Unwägbarkeiten eines Turnarounds. Und natürlich Volkswagen (VOW3 160.42 +1.05%). Der Abgasbetrug des Branchennachbarn hat grossen Kollateralschaden angerichtet und Investoren in die Flucht geschlagen.

Umgekehrt geizen die Aktien von PSA Peugeot Citroën nicht mit Reizen.

Dem Plan voraus

Der Kursrückschlag um fast ein Fünftel seit Bekanntwerden des Volkswagenskandals erklärt sich in erster Linie mit Sippenhaft für europäische Hersteller.

Die Kursschwäche davor spiegelt Sorgen um die Nachfrage in China. Inwiefern sie gerechtfertigt sind, kann niemand sagen. Die Direktion sehe aber keinen Anlass, die Pläne für China zu ändern, und sei überzeugt, die Marge in dem Markt weiter steigern zu können, erfuhren Analysten von J. P. Morgan an der IAA. Zudem sei das Bluten in Russland und Südamerika gestoppt worden. China spielt in der Strategie eine wichtige Rolle. Namentlich die Zusammenarbeit mit Joint-Venture-Partner und Grossaktionär Dongfeng – er kontrolliert wie die Familie Peugeot und Frankreich 14,1% der Aktien – soll Synergien und Kostenvorteile schaffen.

Der Turnaround der letzten anderthalb Jahre ist besser und schneller verlaufen als geplant. Im ersten Semester 2015 erzielte die Autodivision eine bereinigte Betriebsgewinnmarge von 5%. Als Massstab für die Zukunft darf das nicht gesehen werden, es lässt aber vermuten, dass das ursprüngliche Ziel von 2% für den Zeitraum bis 2018 erhöht wird. 5% sind der ursprünglichen Planung gemäss erst für 2019 bis 2023 anvisiert. Die Marke VW kam im ersten Halbjahr auf (unbereinigte) 2,7%, das Automobilgeschäft von Renault (RNO 26.88 -30.11%) erreichte 3,1%.

Attraktive Alternative

Auch produkteseitig ist PSA gut unterwegs. Die Fahrzeuge von Peugeot und Citroën sind wertiger und generell attraktiver geworden. Dazu kommt die nun eigenständige, von Citroën abgespaltene Marke DS. Sie bedient höhere Ansprüche, weicht aber bewusst vom Premiumeinerlei ab und positioniert sich als Alternative für Leute, die mehr Individualität suchen. Das klingt vielversprechend. Um DS zu etablieren, braucht es aber Zeit.

Nächstes Jahr setzt zudem ein reger Neuheitenfluss ein. Schon heute leistet das im Juli 2014 vereinbarte Finanzdienstleistungs-Joint-Venture mit Santander im Absatz wertvolle Hilfe. Mit Blick voraus stimmt auch die Absicht zuversichtlich, 7 bis 8% des Umsatzes in Forschung und Entwicklung zu investieren. Bei Volkswagen waren es letztes Jahr 6,5%.