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Hot Corner: Entfesseltes Kursmonster

Die besten US-Aktien dieses Jahrtausends kommen nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus der Getränkebranche.

Peter Rohner

Die Aktien des Getränkeherstellers Monster Beverage (New York: MNST, Kurs: 60.60 $, Börsenwert: 33 Mrd. $) werden dieser Rubrik gerecht. Heiss sind sie gelaufen, vielleicht schon fast zu heiss. Doch das wurde dem Senkrechtstarter schon oft nachgesagt – aber jedem Rückschlag folgte ein neues Hoch.

Monster ist ein US-Unternehmen, das Energy Drinks herstellt und unter dem Slogan «Unleash the Beast» weltweit vermarktet. Mit einem Marktanteil von 35% ist es knapp hinter Red Bull die Nr. 2 im globalen Energy-Drink-Geschäft. Die bekanntesten Marken sind Monster Energy, Relentless und Burn.

Seit dem Börsengang 2003, als der Getränkehersteller noch unter dem Namen Hansen’s Natural signierte, ist der Aktienkurs über 60 000% gestiegen. Damit sind die Monsteraktien die besten Titel im S&P 500 seit der Jahrhundertwende. Der Börsenwert ist in weniger als zwanzig Jahren von unter 1 Mio. auf über 30 Mrd. $ explodiert.

Für die spektakuläre Performance gibt es gute Gründe. Das Geschäft mit Koffeindrinks läuft monstermässig. Das Unternehmen aus Südkalifornien arbeitet hochprofitabel und wächst mit fast schon unheimlicher Konstanz. Seit 2001 hat Monster den Absatz jedes Jahr mindestens 9% gesteigert. Zuletzt betrug das Umsatzwachstum 13%. Der Jahresgewinn nimmt seit 2008 ohne Unterbruch zu. Die Ebitda-Marge beträgt seit Jahren mehr als 30%. 2018 erwirtschaftete Monster Beverage mit einem Umsatz von knapp 4 Mrd. einen Nettoerlös von 1 Mrd. $.

Zuletzt aber ist der Aktienkurs mehrmals unter Druck gekommen. Investoren machen sich Sorgen über zunehmende Konkurrenz. Im Heimmarkt USA, wo Monster führend ist, erodiert der Marktanteil. Das Hauptproblem ist nicht Red Bull, sondern die neue Konkurrenz wie Bang. Das zucker- und kalorienfreie Getränk des Sportnahrungsherstellers Vital Pharmaceuticals (VPX) trifft den Geist der Zeit und hat sich mit exorbitanten Wachstumsraten in wenigen Jahren einen Marktanteil von 9% erkämpft. Nachdem Monster mit einer Klage auf irreführender Werbung gescheitert war, haben die Kalifornier eine eigene «gesunde» Linie namens Reign lanciert – mit Erfolg.

Gegen diesen Frontalangriff hat wiederum VPX Klage eingereicht. Mit Coca-Cola (KO 45.07 -1.34%) ist ebenfalls ein Streit entbrannt, weil der Getränkegigant einen eigenen Energiedrink verkaufen will. Coca-Cola ist der globale Vertriebspartner von Monster und hält eine 17%-Beteiligung.

Die meisten Analysten sind der Meinung, dass Monster diese Herausforderungen meistert. Neunzehn von zwanzig raten zu Kaufen oder Halten der Aktien. Billig sind sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 allerdings nicht. Aber wie Nestlé (NESN 107.96 +3.11%) beweisen, ist der Markt bereit, für stabiles Gewinnwachstum höhere Bewertungen zu bezahlen. Und ein Ende des Energy-Drinks-Booms ist nicht in Sicht. Ob Klimastreik oder Motocross-Rennen – für die Jugend von heute ­beginnt der Tag mit einem süsslichen Koffein-Schock aus der Dose.