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Hot Corner: Höhenflug

Die Notierungen von Ryanair haben sich seit 2012 mehr als vervierfacht, der Gewinn kletterte um das Dreifache.

Pascal Meisser

Wenn immer eine Studie unter Fluggesellschaften zur Kundenzufriedenheit durchgeführt wird, ist der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair (Dublin: RYA; Kurs 12.75€; Börsenwert 16,8 Mrd.€) eine Position auf sicher: der letzte Platz. Immer wiederkehrende Kritikpunkte sind der geringe Flugkomfort wie beispielsweise ein minimierter Sitzabstand, eine unbefriedigende Verpflegung an Bord und hohe Kosten, die bei Sitzplatzreservationen und eingechecktem Gepäck zum eigentlichen Ticketpreis hinzukommen.

Bei einer anderen Stakeholder-Gruppe steht Ryanair indes auf Platz eins der Beliebtheitsrangliste – und das schon seit über vier Jahren: bei den Aktionären. Das kommt nicht von ungefähr: Die Notierungen von Ryanair haben sich seit 2012 mehr als vervierfacht, der Gewinn kletterte um das Dreifache. Für das laufende Geschäftsjahr, das per Ende März abgeschlossen wird, erwartet CEO Michael O’Leary erstmals einen Gewinn jenseits der Milliardengrenze.

Hoher Auslastungsgrad

Zum Rekordergebnis tragen drei hauptsächliche Faktoren bei: Effizienzsteigerung, höherer Auslastungsgrad der Flugzeuge sowie der tiefe Ölpreis. So spart die Billigfluggesellschaft konsequent bei den Personalkosten. So gelang es Ryanair-CEO O’Leary in den letzten zwölf Monaten, die Kennzahl «Passagiere pro Angestellter» 10% zu steigern.

Gleichzeitig wurde der Auslastungsgrad von 83 auf 88% erhöht. Das ist branchenweit ein Spitzenwert: Der direkte Konkurrent Easyjet erreicht 85%, Air Berlin 84%, Lufthansa (LHA 7.35 +0.55%) wiederum schaffte es zuletzt, 75% ihrer Sitzplätze zu verkaufen. Diese Vergleiche zeigen: Die Anleger können wohl davon ausgehen, dass Ryanair in punkto Auslastung kaum noch Steigerungspotenzial hat.

Deutschland als Treiber

Der Treiber für weiter steigende Aktienkurse muss deshalb im Wachstum liegen. Der Heimmarkt, der neben Irland auch Grossbritannien umfasst, ist inzwischen fast lückenlos abgedeckt. Auch in den Euro-Peripherieregionen Italien, Spanien und Portugal weist Ryanair einen hohen Marktanteil auf. Potenzial bietet hingegen ein anderes Land, den der irische Billigflieger bislang wenig bearbeitet hat. In Deutschland befördert Ryanair erst 5% aller ­Passagiere, bis im Jahr 2020 soll dieser Anteil auf 20% steigen.

Experten trauen den Iren zu, dieses Ziel zu erreichen – zumal Spanien, einer der Hauptmärkte von Ryanair, eine ­beliebte Destination der Deutschen ist. Das Unternehmen hat sich für weiteres Wachstum bereits gerüstet. Bis 2024 ist eine Flottenvergrösserung von derzeit 300 auf 520 Flugzeuge geplant.

Trotz des haussierenden Aktienkurses ist Ryanair auf Basis der geschätzten Gewinne 2015/16 nicht teuer bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 11 und damit im Rahmen der Konkurrenz. Schafft es Ryanair, beim Gewinnwachstum auf Kurs zu bleiben,  werden Aktionäre von steigenden Notierungen profitieren.