Unternehmen / Schweiz

Gewinner und Verlierer im ersten Halbjahr

Der Schweizer Aktienmarkt floriert seit Jahresbeginn, selbst zuvor geschundene Titel avancieren. Es gibt aber auch Verlierer.

Es war ein schwungvolles erstes Halbjahr 2017 an der Schweizer Börse. Der Leitindex SMI (SMI 12'340.78 0.00%) und der breite SPI (SXGE 15'773.30 +0.11%) avancierten kräftig. Während der Leitindex 11,8% gutmachte, steigerte sich der SPI 12,9%. Dabei ist von der Gesamtperformance der Indizes die Rede, sprich, ausgezahlte Dividenden werden eingerechnet.

Unter den Börsenschwergewichten setzen sich vor allem zwei Aktien positiv ab, diejenige des Baustoffherstellers Sika (SIKA 317.80 +0.95%) (+27,9%) und die des Pharmazulieferers Lonza (LONN 679.00 +0.30%) (+28,6%). Beide Unternehmen konnten mit guten Ergebnissen für das vergangene Geschäftsjahr überzeugen.

Rekordhafte Zustände

Der am 22. Mai angekündigte baldige Chefwechsel bei Sika – von Jan Jenisch hin zu Paul Schuler – konnte die Titel nur kurzzeitig abbremsen. Auch das Risiko aus dem Streit zwischen dem Management und den Sika-Erben, die einen Verkauf an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain anstreben, wird von den Anlegern offensichtlich als gering eingeschätzt.

Wie Sika erreichten auch die Valoren von Lonza nach einem rekordhaften ersten Quartal den historischen Höchststand, das Unternehmen ist operativ gut unterwegs. Die angestrebte, durchaus umstrittene Übernahme des US-Kapselherstellers Capsugel tat dem Höhenflug keinen Abbruch.

Die rote Blue-Chip-Laterne

Als Nummer drei der SMI-Performancegewinner im ersten Semester folgt mit etwas Abstand Nestlé (NESN 122.72 +0.66%) (+17,7%). Der Nahrungsmittelriese schien unter Ex-CEO Paul Bulcke in den vergangenen Jahren eingeschlafen.

Unter Nachfolger Mark Schneider und unter Druck des US-Hedge-Fund Third Point soll nun neuer Schwung in den Konzern kommen. Das Portfolio soll angepasst und ein 20 Mrd. Fr. schweres Aktienrückkaufpaket auf den Weg gebracht werden. Das treibt den Kurs.

Die rote Laterne unter den Blue Chips trägt nach dem ersten Halbjahr Swiss Re (SREN 87.48 -0.16%). Als einziges Börsenschwergewicht rentieren die Aktien des Rückversicherers negativ, das notabene mit Dividende.

Der Grund: Nach einem teuren Katastrophenjahr 2016 soll die bevorstehende Hurrikansaison in den USA dieses Jahr besonders heftig ausfallen. Und erst danach will Swiss Re entscheiden, ob und in welchem Umfang sie eigene Titel zurückkaufen will. Angesichts dieser Unwägbarkeiten halten sich Anleger bei den Aktien zurück.

Anders übrigens als bei den weiteren Finanztiteln des SMI. Die in den vergangenen Jahren arg gebeutelten Papiere der Grossbanken konnten im ersten Halbjahr beispielsweise avancieren.

Myriad muss sich neu erfinden

Im breiten Markt stechen vor allem die Valoren Von Roll (GB4923824 1.10 +0.00%) (+130,7%) und AMS (+116,5%) hervor, die sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt haben. Das notleidende Industrieunternehmen Von Roll hat für das erste Quartal seit mehr als vier Jahren wieder ein positives Ergebnis präsentiert. Die Turnaround-Zeichen haben denn auch die Aktien auf einem niedrigen Niveau beflügelt.

Anders AMS. Mit dem Quartalsergebnis enttäuschte der Chiphersteller. Doch der Ausblick begeisterte die Börse. Nicht zum ersten Mal spielt das Management erfolgreich mit den Erwartungen der Anleger. Sie sind aber mittlerweile so hochgeschraubt, dass kleinste Fehlschläge für enorme Enttäuschung sorgen können.

Am anderen Ende der SPI-Performanceliste steht Myriad (-51,2%). Der Handysoftwarespezialist ist der einzige Titel an der Schweizer Börse, der in einem bisher blühenden Gesamtmarkt 2017 über die Hälfte seines Werts eingebüsst hat.

Die Kurznachrichten-App Versy, vor einem Jahr in den USA eingeführt, ist ein Flop. Ein strategischer Kurswechsel hin zum Internet der Dinge ist in Arbeit. Der Erfolg – und eine mögliche Erholung im zweiten Semester 2017 – steht in den Sternen.