Zum Thema: BLKB-CEO:«Fahrlässiges Volumenwachstum»

Eine Bank auf dem Weg zum Marktplatz

Der neue Chef, John Häfelfinger, hat bei der Baselland. KB eine neue Kultur eingeführt. Bis sich der Aktienkurs markant nach oben bewegt, müssen aber wohl erst die Zinsen wieder steigen.

Die Kantonalbank aus Baselland (BLKB) tut sich schwer. Sie ist eine klassische Retailbank, auf der Bilanz hat sie vor allem eines: Hypotheken. Im historischen Niedrigzinsumfeld verdient sie darauf nur noch dünne Margen. Seit Jahren stagniert der Ertrag des Platzhirsches im Baselbiet.

Dank gutem Ausgabenmanagement konnte sie dennoch ihren Gewinn kontinuierlich steigern. Mit einem Verhältnis von Kosten zu Ertrag von 48% gehört sie zu den effizientesten Banken der Schweiz. Der Ertrag werde steigen, wenn die Zinsen wieder anziehen, sagt CEO John Häfelfinger im FuW-Interview.

Häfelfinger will aber auch neue Ertragsquellen erschliessen. So will er das Geschäft mit sehr vermögenden Kunden und Grosskonzernen ausbauen sowie digitale Innovationen vorantreiben. Letzteres soll durch Kooperation mit Fintech-Start-ups geschehen, wie die BLKB bereits bewiesen hat.

Schon unter Häfelfingers Vorgänger Beat Oberlin wurde der Plattformansatz verfolgt. Die Bank soll sich zu einer Art Marktplatz entwickeln, mit einer Vielzahl von Angeboten – ob von der BLKB selbst oder von Partnern.

Digitalisierung heisst aber auch, dass die BLKB ihre bestehenden physischen Präsenzen im Kanton auf den neusten Stand bringen muss. In ihr Netz von 21 Filialen in Baselland und einer in Solothurn investiert die Bank in den kommenden Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag.

Schliessungen sind laut Häfelfinger keine geplant. Denn auch, wenn in den vergangenen fünf Jahren bargeldbezogene Transaktionen am Schalter um ein Drittel abgenommen und die Selbstbedienungsrate stark gestiegen ist, hat sich laut Häfelfinger auch gleichzeitig die Nachfrage nach Beratung durch BLKB-Mitarbeitende fast verdreifacht.

Letztere mussten sich auch auf einen neuen Stil einstellen, den Häfelfinger in Liestal eingeführt hat. Krawatten, Hierarchiestufen und das Sie wurden abgeschafft, flexible Arbeitszeiten und Wiedereinstiegsprogramme eingeführt.

Der Aktie hat Häfelfinger bisher allerdings nicht zu neuen Avancen verholfen. Er ist überzeugt, den inneren Wert des stimmrechtslosen Partizipationsscheins (PS) spiegelt sich im Kurs nicht adäquat wieder.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 (2018) und einem Kurs-Buch-Verhältnis von 1 sind sie in etwa im Branchenschnitt bewertet. Seit Jahren oszillieren die Scheine um 900 Fr. je Titel. Im jetzigen Umfeld sind weiterhin keine grossen Sprünge zu erwarten.

Auch weil sich die PS mehrheitlich fest in lokaler Privatanlegerhand befinden, was den Handel mit ihnen illiquide macht. Zudem hält der Kanton immer noch fast drei Viertel an seinem Staatsinstitut und gedenkt angesichts einer attraktiven Dividendenrendite von rund 4% wohl auch nicht die KB weiter dem Publikum zu öffnen.

Die komplette Historie zur Baselland. KB finden Sie hier. »