Zum Thema: Burckhardt Compression: Jedem Druck gewachsen

Die Person: August Burckhardt

Der Weichensteller

Dem Gründer gebührt die Ehre: Die Strasse vor dem Hauptsitz von Burckhardt Compression (BCHN 186.80 -4.5%) in Winterthur wird am 9. Januar 2019 zum 175-
Jahre-Jubiläum der Gesellschaft in Franz-Burckhardt-Strasse umbenannt. Doch es ist sein ältester Sohn August (1851 bis 1919), der die wichtigsten Weichen stellt. Er vollzieht den Schritt vom Handwerks- zum Industriebetrieb, er erkennt die Notwendigkeit der Spezialisierung, und er steigt in die Fertigung von Kolbenkompressoren und Vakuumpumpen ein.

Nachdem August 1876 als knapp 25-jähriger Maschineningenieur die mechanischen Werkstätten seines Vaters übernommen hat, steht im Briefkopf der Maschinenfabrik Burckhardt, Basel, noch ein breites Produktsortiment: «Dampfmaschinen, Gaskraftmaschinen, Typographische & Litographische Schnellpressen, Sämtl. Maschinen zur Seidenfärberei & Appretur, Holzbearbeitungsmaschinen, Transmissionen, Pumpen, Papierschneidmaschinen, Glättpressen, Vergoldpressen, Satiniermaschinen, Stereotypieapparate etc. etc.»

Schon 1878 legt der weitsichtige und unternehmerisch denkende Jungunternehmer mit dem Entscheid, Kolbenkompressoren und Vakuumpumpen («Luftpumpen») zu bauen, den Grundstein für ein neues Produktprogramm, das wegweisend sein soll. Die fraglichen Verfahren gewinnen rasch an Bedeutung, sei es, um Pressluft für die Übertragung von Kraft (Pneumatik) zu erzeugen, oder indem sie die Fertigung neuer Produkte ermöglichen, etwa im Lebensmittelsektor. So schreibt ein gewisser Henri Nestlé (NESN 107.96 +3.11%) 1876: «Die Grundlage meines Kindermehls ist die gute Schweizer Milch, die mittels einer mit Luftdruck arbeitenden Pumpe bei niedriger Temperatur konzentriert wird, wobei die ganze Frische der warmen Milch erhalten bleibt.»

Die neuen Aktivitäten bringen dem Unternehmen einen enormen Aufschwung, wie Hans Kläy im Band «ckdt – Maschinenbauer aus Basel» schreibt. Fünf Jahre nach Produktionsbeginn sind bereits mehr als sechshundert Maschinen gebaut. Um scharfem Wettbewerb mit bestehenden Herstellern vorzubeugen – und weil am Standort vor dem Steinentor der Platz ausgeht –, vergibt August Burckhardt Lizenzen für den Bau von Maschinen nach dem «Patent Burckhardt-Weiss». Einen neuen Fabrikstandort braucht er dennoch; 1890 wird er bezogen. Nach einer halbseitigen Lähmung verteilt der Patron 1906 die Geschäftsführung auf ein mehrköpfiges Direktorium, dem auch sein Sohn, August Junior, angehört, von 1910 an als Direktor. Kopf des Werks bleibt er trotzdem, bis zu seinem Tod 1919.