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Der Chart des Tages

Nun lahmt auch das Inlandgeschäft der US-Firmen.

André Kühnlenz

Das im März abgelaufene Quartal war das erste seit 2016, in dem die Gewinne der Gesellschaften im US-Aktienindex S&P 500 (S&P 500 2'776.00 -0.17%) auf Jahressicht gesunken sind (vgl. rote Balken). Wie hier beschrieben, waren nur die Unternehmen mit grossem Umsatzanteil ausserhalb der Vereinigten Staaten von sinkenden Gewinnen betroffen (vgl. gelbe Balken). Diejenigen mit vielen Verkäufen in den USA (>50%, hellblau) blieben unter dem Strich noch verschont.

Jetzt zeigen Berechnungen von Factset, dass die Erwartungen der Analysten keine Besserung für das zweite Quartal versprechen. Sollten die Beobachter im Durchschnitt richtigliegen, beginnt nun auch bei den Unternehmen mit Fokus auf die amerikanische Binnenwirtschaft das Gewinnwachstum spürbar nachzulassen. Bei Unternehmen mit starkem Auslandgeschäft könnte der Abwärtssog dafür etwas milder ausfallen. Unter dem Strich aber sinken die Gewinne aller S&P-500-Gesellschaften gemäss den Prognosen stärker als noch zu Beginn des Jahres.

Die Rezessionssorgen in den USA kommen somit nicht aus heiterem Himmel. Unklar ist nur, inwieweit die Verunsicherung durch den Handelskonflikt für die sinkenden Gewinne verantwortlich gemacht werden kann. Denn ein Fokus auf das Auslandgeschäft bedeutet nicht nur ein hohes Volumen an Exporten, auf die Zölle anfallen. Es geht auch um Produktionsstandorte z.B. in Asien, die Kunden weltweit ausserhalb der USA beliefern.

Hinter dem Gewinnrückgang könnte also eine ganz normale Abkühlung der Weltwirtschaft stecken, die auch ohne Handelskrieg stattgefunden hätte. Alarmierend ist, dass diese Abkühlung nun stärker auf die Binnenwirtschaft der USA übergreift. Entscheidend wird sein, ob und wie stabil der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten bleibt. Schwächt sich der Jobaufbau in den nächsten Monaten empfindlich ab, werden die Krisensorgen mit einem Schlag akut.