Unternehmen / Industrie

Gavazzi enttäuscht mit Jahreszahlen

Analyse | Der Komponentenhersteller hat im Geschäftsjahr 2017/18 operativ wieder einen Rückschritt gemacht und senkt die Dividende.

Im ersten Semester des Geschäftsjahres 2017/18 (per Ende März) hatte Gavazzi noch operative Fortschritte realisiert. Unter Ausschluss des positiven Sondereffekts aus dem Vorjahr war es gelungen, das operative Ergebnis sowie den Gewinn deutlich zu steigern.

Für das ganze Jahr hat sich dies ins Negative gekehrt, die Ergebnisse der Herstellers elektronischer Komponenten für die Gebäudeautomation und die industrielle Automation sind auch ohne den Sondereffekt aus dem Vorjahr (einmaliger Erlös von 2,4 Mio. Fr. aufgrund eines Schiedsverfahrens) im Vorjahresvergleich rückläufig. Die Börse hat entsprechend reagiert und Gavazzi am Donnerstag zunächst deutlich zurückgestuft.

Wachstumstreiber Asien-Pazifik

Der Umsatz hat sich im Berichtsjahr ansprechend entwickelt. Er stieg 6,1% auf 146,9 Mio. Fr. In Lokalwährungen ergab sich gar ein Zuwachs um 8,5%. Alle Regionen haben zum Wachstum beigetragen. Leader war klar Asien-Pazifik mit einem Plus von 18,7%. Damit ist es gelungen, die Umsatzverteilung wie gewünscht weiter zu verbreitern. Der Anteil ausserhalb Europas ist erneut leicht auf 35,1% gestiegen. Auch die drei Produktbereiche (Überwachungsgeräte, Sensorprodukte, Schaltgeräte) haben sich alle positiv entwickelt.

Die Ertragszahlen haben sich dagegen deutlich verschlechtert. Das operative Ergebnis Ebit sank 16,8% auf 13,9 Mio. Fr. und der Gewinn gar 37,3% auf 8,4 Mio. Fr. Unter Ausschluss des genannten Sondereffekts ergab sich im Ebit immer noch ein Rückgang von 2,8% und im Gewinn von 23,6%. Dafür verantwortlich sind in erster Linie hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb – sie haben sich offenbar noch nicht ausgezahlt. Auf der Ebene Gewinn fiel zusätzlich ein Wechselkursverlust von 1,2 Mio. Fr. ins Gewicht.

Immerhin: Die finanzielle Lage von Gavazzi bleibt sehr gut. Die Eigenkapitalquote beträgt per Ende des Geschäftsjahres komfortable 72,5%. Das Unternehmen verfügt zudem über eine Nettoliquidität von gut 50 Mio. Fr.

Wenig Wachstum

Der Ausblick ist wie gewohnt vage, aber doch gedämpft optimistisch. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld in den relevanten Märkten sollte gemäss dem Management einigermassen stabil bleiben. Das spiegelt sich auch in einem 9,2% höheren Auftragsbestand.

Der Verwaltungsrat schlägt eine Reduktion der Dividende von 15 auf 12 Fr. vor. Das entspricht immer noch einer Ausschüttungsquote von 101,6% – auch ein Zeichen der Zuversicht. Aufgrund der auch im laufenden Geschäftsjahr hohen Investitionen erwartet «Finanz und Wirtschaft» nur eine geringfügige Steigerung des Gewinns je Aktie von 11.80 auf 12 Fr.

Auf diesem reduzierten Gewinnniveau sind Gavazzi mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 teuer. Der Markt ist zudem sehr eng, rund 80% der Stimmen werden von der Familie Gavazzi kontrolliert. Ein Engagement in den Aktien ist nicht zu empfehlen.

Die komplette Historie zu Carlo Gavazzi finden Sie hier. » Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?