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Berner KB schenkt den Aktionären ein

Analyse | Im Geschäft der Staatsbank harzt es. Doch dank exzellenter Kapitalisierung steigt die Ausschüttung.

Die Berner Kantonalbank (BEKB (BEKN 226.00 +0.00%)) präsentiert für 2018 im Vergleich zum Vorjahr ein erwartungsgemäss schlechteres Ergebnis. Der Ertrag bricht 8,7% auf 419,5 Mio. Fr. ein. Der Gewinn steigt zwar 2,4% auf 140,8 Mio. Fr. Das aber nur, weil die BEKB wie immer Reserven auflöst, mit der Begründung, die Absicherungskosten gegen einen möglichen Zinsanstieg ausgleichen zu wollen.

Doch die Staatsbank kann sich das leisten, sie ist exzellent kapitalisiert. Darüber hinaus hat sie das Ziel, frei verfügbare Mittel von 1,1 Mrd. Fr. bis 2022 anzusammeln. Mit aktuell 661,7 Mio. Fr. ist sie dabei am oberen Rande ihres Zielbands. Das sollen auch die Aktionäre in Zukunft immer mehr zu spüren bekommen.

Die Dividende soll überraschend einen Sprung um 1.40 Fr. (vorher 40 Rp.) auf 8 Fr. je Aktie machen, die Ausschüttungsquote steigt damit über das neu gesteckte Minimum von 50% (vorher 40%). Die Dividendenrendite beträgt nun attraktive 3,8%. Und die BEKB hat noch Luft nach oben. 70% des Gewinns darf sie maximal ausschütten. Geht die Bank die eingeschlagene Richtung weiter, ist der BEKB-Titel auf dem Weg, eine Dividendenperle zu werden.

Probleme im Zinsgeschäft

Das tröstet die Aktionäre darüber hinweg, dass es operativ bei der BEKB harzt. 2018 erzielten alle Ertragspfeiler ein tieferes Ergebnis. Das Hauptgeschäft mit den Zinsen ist rückläufig, obwohl die Bank ihre Bilanz weiter ausweitete und ein Hypothekenwachstum über dem Markt erzielte. Doch Neuhypotheken und Refinanzierungen lassen sich längst nur noch zu deutlich tieferen Konditionen abschliessen.

Um diesen Effekt auszugleichen, behelfen sich andere Banken damit, den Zinsaufwand zu senken (weniger Zinsen auf Einlagen, Negativzinsen auf grosse Vermögen und günstigere Refinanzierung via Anleihen). Bei der BEKB schlagen allerdings die Absicherungskosten des Zinsänderungsrisikos stärker als bei anderen Banken zu Buche.

Zudem lösen viele Finanzhäuser Rückstellungen für Kreditrisiken auf und verbessern so das Zinsergebnis. Das hat die BEKB 2017 im grossen Umfang (40 Mio. Fr.) getan, was 2018 so nur in geringerem Ausmass (14 Mio. Fr.) möglich war.

Kosten sollen sinken

Auch die beiden kleineren Standbeine, das Kommissions- und das Handelsgeschäft, gaben im vergangenen Jahr nach. Hier hinterliess das schlechte Börsenjahr 2018 seine Spuren. Die betreuten Vermögen sanken um 1,2 Mrd. Fr. auf 17,5 Mrd. Fr., das Nettoneugeld von geringen 176,8 Mio. Fr. konnte das nicht ausgleichen.

Der Geschäftsaufwand konnte nicht im selben Masse gesenkt werden wie der Ertrag zurückging. Auch fiel Erlös aus dem Verkauf von Finanzanlagen nicht mehr wie in 2017 an. Der Geschäftserfolg (Ertrag minus Aufwand) reduzierte sich deshalb um 5,7% auf 137,5 Mio. Fr.

Im laufenden Jahr will die BEKB ihr Filialnetz modernisieren und den Kunden neue digitale Anwendungen zur Verfügung stellen. Dafür lässt sie in den nächsten drei Jahren ihre Bank-IT modernisieren, was in Zukunft zu deutlich niedrigeren Kosten führen soll. Mithelfen soll dabei auch ein geringerer Aufwand für die Absicherung des Zinsänderungsrisikos. Am Tiefzinsumfeld wird sich so schnell allerdings nichts ändern. Deshalb rechnet die Bank für 2019 mit einem Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres.

Aktie drängt sich nicht auf

Die Aktien der BEKB kommen mit einem KGV (2019) von 14 im Vergleich mit der eigenen Historie und der Konkurrenz günstig daher. Doch man muss den Prämienabschlag wegen des Fehlens einer expliziten Staatsgarantie beachten.

Die Dividendenrendite ist mit 3,8% attraktiv. Die Aktie ist ein solider Titel eines soliden, gut kapitalisierten Staatsinstituts. Das Potenzial der Bank und ihres Aktienkurses nach oben ist im aktuellen Umfeld allerdings begrenzt. Zudem hat die Bank Mühe, ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen. Ein Kauf drängt sich derzeit nicht auf.

Die komplette Historie zu BEKB finden Sie hier. »