Ausfuhren nach USA wachsen stark

Schweizer Exporte verzeichnen im ersten Halbjahr dank Pharma und Chemie ein starkes Wachstum. Industrieausfuhren stagnieren und Uhrenexporte sind rückläufig.

Der Wachstumsmotor in den USA stottert. Von April bis Juni wuchs die US-Wirtschaft annualisiert nur 1,2% gegenüber der Vorjahresperiode – enttäuschend im Vergleich zu den Erwartungen der Analysten von 2,6%. Angetrieben wurde das Wachstum vom privaten Konsum mit einem Plus von 2,8%, gebremst von Investitionsausgaben mit einem Minus von 1,7%.

Zu den Investitionsausgaben gehören auch der Ab- oder Aufbau des Lagers. Seit dem zweiten Quartal 2015 reduzieren Unternehmen in den USA den Warenbestand im Lager. Das bremst das Wachstum. Im zweiten Quartal erreichte der Abbau mit 1,2% den bisherigen Höhepunkt im aktuellen Abbauzyklus.

Scheinbar unberührt von der konjunkturellen Verlangsamung ist die Schweiz. Immer mehr Produkte werden in die USA geliefert.  

Von Januar bis Juni wurde 17% mehr ausgeführt als im Vorjahr. Die USA ist der wichtigste Exportmarkt nach Deutschland. Besonders Produkte der Chemisch- Pharmazeutischen Industrie sind in den USA gefragt. Die Hälfte der Exporte von 27,4 Mrd. Fr. für 2015 entfiel auf Güter aus diesem Sektor. Diese Produkte waren auch für das starke Exportwachstum der vergangenen Jahre verantwortlich. Eindrücklich ist das Wachstum der Ausfuhren von 73% in den vergangenen zehn Jahren. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind die Exporte der Chemisch-Pharmazeutischen Industrie im Zehnjahresvergleich 155% gestiegen. Dementsprechend wichtig ist die USA auch für die Pharmakonzerne der Schweiz.

Nicht mithalten mit dem rasanten Wachstum von Pharma und Chemie konnten die anderen Bereiche. Der zweitwichtigste Exportbereich ist die Maschinen- und Elektroindustrie. Inklusive Präzisionsinstrumente machen sie einen Fünftel der Ausfuhren aus. In den vergangenen zehn Jahren konnten sie ein Wachstum von 24% verzeichnen. Noch schlechter steht es um Exporte von den Luxusgüterherstellern. Ihr Anteil hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 7% fast halbiert. Der Trend hat sich auch in den vergangenen Quartalen bestätigt. Legten Produkte aus Chemie und Pharma von Januar bis Juni gegenüber dem Vorjahr 30% zu, blieben Güter aus der Industrie mit einem Plus von 2% stabil, während Uhrenexporte einen Rückgang von 9% verbuchten.

Unternehmen aus der Schweiz exportieren aber nicht nur in die USA, sondern produzieren auch vor Ort. Laut Martin Naville, dem Chef der Schweizerisch-amerikanischen Handelskammer sind alle mittleren und grösseren Unternehmen, die in die USA exportieren, auch vor Ort präsent. 2016 haben beispielsweise der Milchverarbeiter Emmi (EMMN 1'038.00 +1.57%) und der Industriekonzern Sulzer (SUN 78.45 +0.51%) Produktionsanlagen in Amerika akquiriert. In keinem anderen Land haben Schweizer Unternehmen mehr Investitionen getätigt als in Amerika. Laut den aktuellsten Zahlen der Schweizerischen Nationalbank von Ende 2014 befindet sich mit 192 Mrd. Fr. etwa ein Fünftel der globalen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten. Das Wachstum hat aber deutlich an Dynamik eingebüsst. 2014 gab es gar einen Rückgang des Kapitalbestands.